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Weniger Optionen, aber mehr Kontrolle

Es kommt häufiger vor, dass ein Fahrzeug nach einem Unfall auf der Seite liegt. Daher ist wichtig, dass Feuerwehrleute und medizinisches Personal mit den Möglichkeiten vertraut sind, die Fahrzeuginsassen sicher und effizient zu befreien.

Wenn ein Fahrzeug auf den Rädern steht, stehen uns in der Regel mehrere Möglichkeiten offen: Wir können verschiedene Türen oder Fenster für den Zugang nutzen, haben mehrere Möglichkeiten, Platz zu schaffen, oder können gar das komplette Dach abtrennen.

Mit dem Fahrzeug auf der Seite sind die Möglichkeiten jedoch begrenzt. Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil erscheint, kann in der Praxis tatsächlich mehr Kontrolle und schnellere Entscheidungen ermöglichen. Weniger Möglichkeiten führen häufig zu einer eindeutigen Strategie.

Zu erwägende Punkte

Verletzungsmuster

Ein Fahrzeug, das auf der Seite liegt, kann sich mehrere Male überschlagen haben. Dies erhöht das Risiko schwerer Verletzungen für die Insassen, insbesondere wenn sie nicht angeschnallt waren. In diesem Fall ist ein schneller Zugang unerlässlich, um zeitkritische medizinische Verfahren (wie z. B. die Behandlung der Atemwege) zu ermöglichen.

Stabilität

Ein auf der Seite liegendes Fahrzeug ist deutlich weniger stabil, insbesondere auf unebenem Gelände. Das Fahrzeug muss so stabilisiert werden, dass der Zugang nicht behindert wird und bei der Bergung keine weiteren Risiken entstehen. Geeignete Mittel sind etwa Stützen oder Spanngurte.

Sicherheit und Risiken

Bei einem auf der Seite liegendem Fahrzeug kann leicht Kraftstoff, Kühlmittel oder Öl austreten. Unter Umständen liegt auch der noch heiße Katalysator frei.

  • Seien Sie sich der Brandgefahr bewusst und tragen Sie nach Möglichkeit Schutzausrüstung.
  • Achten Sie auf austretende Flüssigkeiten und halten Sie das Feuerlöschgerät bereit.
  • Halten Sie beim Arbeiten möglichst Abstand zu Fall- und Leckzonen des Fahrzeugs.

Zugangs- und Dachöffnungen

Der Zugang zum Fahrzeug erfolgt in der Regel über das Heck (Heckklappe oder Heckfenster). Die gängigste Methode für eine Rettungsöffnung ist das Öffnen des Daches durch Durchtrennen aller A-, B- und C-Säulen (und D-Säulen, sofern vorhanden). Das Foto in diesem Blogbeitrag zeigt, wie Rettungskräfte an einem Auto arbeiten, dessen Unterseite gegen ein Hindernis stößt. Dies hat den Vorteil, dass das Dach komplett freiliegt und somit für Rettungsgeräte leicht zugänglich ist.B, and C pillars (and, if present, the D pillars as well). The photo accompanying this blog shows how rescuers work with a car whose underside is against an obstacle. The advantage of this is that the roof is completely exposed and therefore easily accessible for rescue equipment. 

Vermeiden von Glasbruch

Bleiben die Türen geschlossen, sollte das Glas darin entweder abgeklebt und/oder gebrochen werden. Es besteht die Gefahr, dass Glas von oben in den Innenraum fällt und möglicherweise das Opfer oder das medizinische Personal trifft.

Durch das Öffnen der Türen vor dem Durchtrennen der Säulen entfällt diese Notwendigkeit weitestgehend. Die Tür kann mit einem Gurt oder von einem Teammitglied offengehalten werden. Nach dem Durchtrennen kann die Tür wieder geschlossen werden. Das spart Zeit und schützt Opfer und Rettungskräfte.

Alternative Szenarien

Nicht jedes Fahrzeug liegt ideal auf der Seite.

  • Mit der Unterseite an einem Hindernis (wie auf dem Foto): eine Öffnung des Daches ist häufig die schnellste und sicherste Option.
  • Mit dem Dach an einem Hindernis: eine Dachöffnung ist nicht möglich. In diesem Fall kann ein Zugang durch die Heckklappe eine Lösung sein, wobei die Sitze entfernt oder zur Seite geschoben werden, um zum Opfer zu gelangen.
  • Das Fahrzeug wieder auf die Räder stellen: Immer häufiger wird das Fahrzeug nach Rücksprache mit dem medizinischen Personal kontrolliert wieder auf die Räder gestellt. Dies kann die Befreiung erheblich vereinfachen, sofern sie sicher und kontrolliert durchgeführt wird.

Erhöhte Bedeutung der Patientenversorgung

Die Arbeit in einem auf der Seite liegenden Fahrzeug alleine ist für Feuerwehrleute eine große Herausforderung. Befindet sich zudem medizinisches Personal im Fahrzeug, um das Opfer zu stabilisieren, wird es noch komplizierter.

Maßgeblich ist und bleibt daher der Zustand des Opfers. Er bestimmt, wie viel Zeit zur Verfügung steht und welche Befreiungstechnik am besten geeignet ist. Manchmal erfordert die medizinische Dringlichkeit einen schnellen, direkten Zugang; in anderen Fällen bleibt Zeit, einen kontrollierten und weniger riskanten Ansatz zu wählen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Nach einem Unfall, bei dem das Fahrzeug auf der Seite liegend gegen einen Baum prallte, wurde der Zugang übers Dach gewählt. Das Fahrzeug wurde zunächst mit Stützen stabilisiert. Da das Opfer nicht ansprechbar war und Schwierigkeiten beim Atmen hatte, musste schnell ein Zugang geschaffen werden. Durch das Abtrennen des Daches konnte das medizinische Personal schnell zum Opfer vordringen und die Atemwege freimachen. Dank der klaren Arbeitsteilung zwischen der Feuerwehr und den Sanitätern konnte das Opfer schnell befreit und in den Krankenwagen gebracht werden.

Fazit

Ein auf der Seite liegendes Fahrzeug bringt ganz eigene Herausforderungen, aber auch Chancen für eine eindeutige und effiziente Herangehensweise mit sich. Stabilität, Sicherheit und der Gesundheitszustand des Opfers sind die Faktoren, die die Strategie bestimmen.

Wurden Sie schon einmal zu einem Unfall gerufen, bei dem ein Fahrzeug auf der Seite lag? Wir würden uns freuen, Ihre Kommentare und praktischen Erfahrungen zu hören.t involving a vehicle on its side? We would love to hear your comments and practical experiences. 

Checkliste: Teamorientiertes Vorgehen bei einem auf der Seite liegenden Fahrzeug

  1. Sicherheit und Situation beurteilen
    • Bewerten Sie die Risiken (Brandgefahr, Flüssigkeitsaustritt, Verkehr, Katalysator).
    • Sperren Sie die Umgebung ab und sorgen Sie für einen sicheren Arbeitsbereich.
    • Besprechen Sie das Vorgehen mit klar verteilten Teamrollen.
  2. Consider Vehicle Movement
    • Kann die Befreiung einfacher oder sicherer erfolgen, wenn das Fahrzeug kontrolliert bewegt oder auf seine Räder gestellt wird?
    • Bewegen Sie das Fahrzeug nur nach Rücksprache mit dem medizinischem Personal und wenn es 100 % sicher ist.
  3. Stabilisierung
    • Stabilisieren Sie das Fahrzeug mit Stützen, Spanngurten oder Keilen.
    • Stellen Sie sicher, dass die Stabilisierungsmaßnahme den Zugang oder den freien Arbeitsraum nicht einschränkt.
  4. Erster Zugang und medizinische Beurteilung
    • Verschaffen Sie sich so schnell wie möglich einen ersten Zugang (vorzugsweise durch die Heckklappe oder ein Fenster).
    • Ermöglichen Sie dem medizinischen Personal, das Opfer zu untersuchen und lebensrettende Maßnahmen einzuleiten.
  5. Umgang mit Glas
    • Vermeiden Sie, dass Glas auf den Patienten und die Rettungskräfte fällt.
    • Öffnen Sie nach Möglichkeit vor dem Durchtrennen die Türen, damit Sie sich keine Sorgen über Herabfallendes Glas machen müssen.
  6. Raum schaffen und Zugang verbessern
    • Wählen Sie eine Strategie: Dach abtrennen, Zugang durch das Heck herstellen oder Fahrzeug kontrolliert auf die Räder stellen.
    • Berücksichtigen Sie Position und Gesundheitszustand des Opfers.
  7. Immobilisierung und Befreiung
    • Stabilisieren Sie das Opfer (Nacken/Rücken/Gliedmaßen).
    • Führen Sie eine koordinierte Befreiung mit kontinuierlicher medizinischer Versorgung durch.
  8. Nachbesprechung
    • Beurteilen Sie den Zustand des Opfers nach der Befreiung.
    • Bewerten Sie den Einsatz im Team: Was lief gut, was könnte verbessert werden?

Marinus Verweijen
Holmatro Rescue Consultant

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